In der IT-Welt entscheidet nicht nur die Hardwarequalität über die Lebensdauer von Geräten – auch die Software spielt eine zentrale Rolle. Viele Hardware-Komponenten werden heute ausgemustert, obwohl sie technisch noch funktionsfähig sind. Der Grund: Moderne Software stellt immer höhere Ansprüche an Prozessor, Speicher und andere Ressourcen. Branchenanalysen zeigen, dass steigende Software-Anforderungen den Austausch von Rechnern stärker vorantreiben als reine technische Innovationen. Dieses Zusammenspiel hat erhebliche Folgen für Unternehmen, die ihre IT-Infrastruktur effizient, kostenschonend und nachhaltig betreiben möchten.
Software als Schlüssel zur Hardware-Lebensdauer
Software bestimmt maßgeblich, wie lange Hardware nutzbar bleibt. Funktionstüchtige Hardware wird oft vorzeitig ersetzt, weil steigende Softwareanforderungen sie obsolet machen – man spricht hier von Software-Obsoleszenz. Dabei verringern sich die technischen Unterschiede zwischen den Hardwaregenerationen zunehmend, sodass nicht mehr der technologische Fortschritt, sondern vielmehr die Software der Haupttreiber für steigenden Elektroschrott ist. Fehlende Unterstützung oder mangelnde Kompatibilität mit neuen Programmen macht ältere Geräte faktisch unbrauchbar, obwohl die Hardware technisch noch funktionsfähig wäre. Diese funktionelle Veralterung der Software führt dazu, dass Hardware vor dem Ende ihres technischen Lebenszyklus ausgemustert wird. Zudem macht sie auch Refurbishment-Angebote uninteressant oder gar unmöglich, da ältere Geräte wegen mangelnder Kompatibilität mit aktueller Software nicht mehr effektiv weiterverwendet werden können. [Wikipedia]
Folgen und Herausforderungen
Die Software-Obsoleszenz führt dazu, dass Unternehmen Hardware häufiger austauschen müssen, was Investitionskosten erhöht und Nachhaltigkeitszielen widerspricht. Laut einer Studie der Europäischen Umweltagentur könnte eine Verlängerung der Lebensdauer von Computern um nur ein Jahr die Umweltbelastung durch diese Geräte um etwa 25 % reduzieren. [EEB, 2019] Hersteller sind daher gefordert, Software Produkte und Dienstleistungen so zu gestalten, dass Software langfristig unterstützt und kompatibel bleibt, um Hardware länger einsetzen zu können.
Strategien für eine längere Hardware-Nutzungsdauer
Unternehmen können durch bewusste Entscheidungen bei der Softwareentwicklung und -auswahl die Nutzungsdauer ihrer Hardware verlängern. Wichtig ist etwa, Softwareprodukte zu bevorzugen, deren Anbieter langfristige Supportzeiträume, insbesondere Langzeit-Support-Versionen (LTS), garantieren. Das reduziert die Notwendigkeit schneller Hardwarewechsel und sichert zugleich den langfristigen Einsatz der Geräte. Produkte, die offene Schnittstellen und Standardformate nutzen, erlauben eine bessere Integration mit älteren Systemen und bieten langfristig größere Flexibilität bei Softwareänderungen und -Updates. Damit Käufer bewusste Entscheidungen treffen können, müssen Anbieter transparent kommunizieren, wie lange ihre Produkte unterstützt werden, welche Hardwareanforderungen bestehen und wie Kompatibilität langfristig gesichert wird. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Google Pixel 9, bei dem bereits bekannt gegeben wurde, dass Sicherheitsupdates bis mindestens Oktober 2033 garantiert sind. Gleichzeitig wurde transparent kommuniziert, dass das Pixel 9 bestimmte Hardwareanforderungen erfüllt, die für eine langfristige Nutzung relevant sind [heise, 2025]. Diese Transparenz ermöglicht Unternehmen eine zuverlässigere und langfristigere Planung ihrer IT-Infrastruktur. Zudem ist es wichtig, dass Softwareupdates die Leistung älterer Hardware nicht künstlich beeinträchtigen, etwa durch bewusste Verlangsamungen oder den Ausschluss älterer Geräte. Transparente und faire Update-Strategien ermöglichen längere Hardwarelebenszyklen. Auch der Einsatz von Open Source Software bietet eine längere Lebensdauer, da die Community kontinuierlich Anpassungen vornehmen und ältere Hardware dadurch länger unterstützen kann. Unternehmen planen Hardware-Upgrades idealerweise bedarfsgerecht, beispielsweise mithilfe moderner Monitoring-Werkzeuge, die präzise Daten zur Leistungsfähigkeit und Nutzung liefern. Dies verhindert unnötige Investitionen und verlängert die Einsatzdauer vorhandener Hardware.
Entwicklung der Sicherheitsupdates bei Smartphones
Wikipedia Google, Wikipedia iPhone
Die Grafik veranschaulicht, wie sich die Dauer des garantierten Sicherheitsupdates bei verschiedenen iPhone- und Google Pixel-Modellen entwickelt hat. Deutlich erkennbar ist, dass dieser Zeitraum in den letzten Jahren stetig zugenommen hat. Diese Entwicklung ist äußerst positiv, da längere Update-Zeiträume die Nutzbarkeit und Sicherheit von Hardware über einen längeren Zeitraum gewährleisten. Unternehmen und Nutzer sind nun gefordert, sich diesen verbesserten und nachhaltigeren Nutzungszyklen anzupassen und ihre IT-Strategien entsprechend langfristiger zu planen.
Wie Softwareentwickler zu längerer Hardware-Nutzung beitragen können
Softwareentwickler können durch konkrete Maßnahmen erheblich dazu beitragen, dass Hardware länger genutzt wird. Dazu gehört eine ressourcenschonende Programmierung, bei der Entwickler effiziente Algorithmen einsetzen, unnötige Hintergrundprozesse vermeiden und den Speicherbedarf durch Optimierungen gering halten. Besonders speicherintensive Prozesse oder unnötige grafische Effekte können optional und deaktivierbar sein, um die Performance auf älterer Hardware nicht unnötig zu belasten. Entwickler können zudem langfristige Kompatibilität sicherstellen, indem sie Software regelmäßig auf älteren Hardwaregenerationen und Betriebssystemen testen. Dabei unterstützen sie aktiv die Rückwärtskompatibilität, indem ältere Hardware bei Updates explizit berücksichtigt wird. Anwendungen können modular und flexibel skalierbar gestaltet werden, sodass ressourcenintensive Funktionen nur aktiviert werden, wenn die Hardware tatsächlich dafür geeignet ist. Dadurch genießen Nutzer mit älterer Hardware weiterhin eine gute Nutzererfahrung, ohne zwingend upgraden zu müssen. Jede neue Funktion wird dabei kritisch auf ihren tatsächlichen Mehrwert geprüft. Ein bewusster Verzicht auf unnötige Features reduziert die Belastungen der Hardware erheblich. Darüber hinaus verfolgen Entwickler nachhaltige Update-Strategien, bei denen notwendige Sicherheitsupdates von funktionellen Erweiterungen getrennt angeboten werden. Dies ermöglicht Nutzern, ältere Geräte weiterhin sicher zu betreiben, ohne ressourcenintensive Neuerungen einspielen zu müssen. Entwickler setzen zudem, wenn möglich, auf offene Standards und Open-Source-Komponenten, um langfristige Softwarepflege durch die Community zu gewährleisten.
Vorteile längerer Hardware-Nutzung
Die Verlängerung der Hardware-Nutzungsdauer bietet Unternehmen klare Vorteile. Sie führt zu erheblichen Kostenreduzierungen, da weniger häufige Hardwarekäufe das IT-Budget entlasten und Wartungs-, Einrichtungs- sowie Entsorgungskosten sinken. Umweltfreundlichere IT-Praktiken bedeuten weniger Elektroschrott, geringeren Ressourcenverbrauch und eine verbesserte CO2-Bilanz, was wiederum das Umweltprofil eines Unternehmens stärkt. Zudem entstehen Wettbewerbsvorteile, da nachhaltige IT-Strategien das Unternehmensimage verbessern und die Kundenbindung erhöhen, insbesondere da immer mehr Kunden und Partner Wert auf ökologische Verantwortung legen.
Fazit
Durch einen bewussten Umgang mit Softwareanforderungen und gezielte Strategien in der Softwareentwicklung lässt sich die Lebensdauer von Hardware entscheidend verlängern. Unternehmen profitieren dabei wirtschaftlich und leisten zugleich einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz. Besonders wichtig ist dies vor dem Hintergrund der erheblichen Umweltbelastung durch die Herstellung von Hardware, auch bekannt als Embodied Carbon (mehr dazu in unserer Artikelserie über Embodied Carbon ). Softwareentwickler und Unternehmen können durch Green Coding zusätzlich zur nachhaltigen Nutzung beitragen. Die Verantwortung liegt somit gleichermaßen bei den Herstellern, den Softwareentwicklern und den Unternehmen selbst, durch nachhaltige Entscheidungen eine IT-Infrastruktur zu schaffen, die langfristig effizient und ressourcenschonend genutzt wird.