In der heutigen digitalen Welt dreht sich vieles um Software, Daten und Vernetzung. Doch hinter jeder digitalen Anwendung steckt eine physische Infrastruktur: Rechenzentren, Server, Netzwerktechnik und Endgeräte. Während der Fokus auf Energieeffizienz und erneuerbare Stromquellen liegt, bleibt eine entscheidende Umweltbelastung oft unbemerkt – der Embodied Carbon.
Was ist Embodied Carbon?
Der Begriff Embodied Carbon beschreibt die gesamten CO₂-Emissionen, die während des gesamten Lebenszyklus eines IT-Produkts anfallen – von der Rohstoffgewinnung über die Produktion bis hin zum Transport und zur Entsorgung. Im Gegensatz zu Operational Carbon, der die Emissionen durch den Energieverbrauch während der Nutzung beschreibt, ist der Embodied Carbon oft der weitaus größere Anteil der Umweltbelastung.
Ein Beispiel: Bis zu 98 % der gesamten CO₂-Emissionen eines Smartphones oder Laptops entstehen bereits in der Herstellung. Ebenso verursacht die Herstellung eines Servers je nach Ausstattung zwischen 100 und 3.000 Kilogramm CO₂-Äquivalente. Der Embodied Carbon macht dabei etwa 75 % der gesamten CO₂-Emissionen eines Rack-Servers aus. Zum Vergleich: Ein Smartphone verursacht etwa 55 Kilogramm CO₂-Äquivalente durch Embodied Carbon, ein Laptop rund 300 Kilogramm. (Quelle)
Quelle: globalelectronicscouncil.org
Quelle: globalelectronicscouncil.org
Warum ist Embodied Carbon so relevant?
Die Herstellung von IT-Hardware ist extrem ressourcen- und energieintensiv. Sie erfordert den Abbau und die Verarbeitung seltener Rohstoffe wie Kobalt, Lithium, Silizium und Gold. Die Umweltfolgen sind gravierend:
- Hoher Energieverbrauch: Die Produktion von Mikroprozessoren und anderen High-Tech-Komponenten erfordert große Mengen an Elektrizität, oft aus fossilen Quellen.
- Ressourcenausbeutung: Der Abbau seltener Metalle führt zu Umweltzerstörung, Wasserverschmutzung und sozialen Problemen in Abbauregionen.
- Kurze Lebenszyklen: Schnell wechselnde Technologietrends führen zu immer kürzeren Nutzungszeiten von Geräten – oft werden sie ausgetauscht, obwohl sie noch funktionstüchtig sind.
Der Weg zur Reduktion von Embodied Carbon
Um den Embodied Carbon von IT-Hardware zu reduzieren, sind verschiedene Strategien notwendig:
- Längere Nutzungsdauer: Durch Reparaturen, Upgrades und eine längere Nutzung von Geräten kann die Umweltbilanz deutlich verbessert werden.
- Kreislaufwirtschaft: Unternehmen sollten auf Wiederverwendung und Recycling setzen, um Rohstoffe zurückzugewinnen und die Notwendigkeit neuer Produktionen zu verringern.
- Nachhaltige Produktion: Hersteller müssen emissionsärmere Fertigungsprozesse entwickeln und verstärkt auf Recyclingmaterialien setzen.
- Bewusstes Konsumverhalten: Auch Nutzerinnen und Nutzer können durch bewusste Kaufentscheidungen und nachhaltige IT-Strategien einen Beitrag leisten.
Fazit
Während die IT-Branche große Fortschritte in der Reduktion des Operational Carbon macht, bleibt der Embodied Carbon ein oft übersehener Faktor. Unternehmen und Konsumenten müssen sich der gesamten Umweltbelastung bewusst werden und nachhaltige Strategien entwickeln, um die CO₂-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts hinweg zu minimieren.
Nachhaltige IT beginnt nicht erst mit dem Einschalten eines Geräts – sondern schon bei seiner Herstellung.
Ausblick
In den kommenden Artikeln dieser Reihe werden wir die Umweltfolgen der Hardwareproduktion und -entsorgung genauer beleuchten. Zudem widmen wir uns dem Lebenszyklus von Rechenzentren und analysieren deren ökologische Herausforderungen und mögliche nachhaltige Lösungen. Hier gehts zum zweiten Teil der Serie.