IT-Modernisierung steht aktuell auf nahezu jeder Agenda. Neue Marktanforderungen, steigender Kostendruck und der Wunsch nach mehr Flexibilität treiben Unternehmen dazu, ihre bestehenden Systeme zu hinterfragen.
Ein aktuelles Beispiel aus der Praxis zeigt, wie solche Ausgangssituationen typischerweise aussehen:
Ein über Jahre gewachsener Monolith, aufgebaut aus mehr als 25 Technologien und Programmiersprachen.
Über 200 einzelne Installationen – viele davon mit kundenspezifischen Anpassungen.
Und ein Team, in dem niemand mehr ein vollständiges Verständnis des Gesamtsystems hat.
Genau in solchen Situationen beginnen viele Modernisierungsinitiativen.
Und genau hier scheitern sie oft.
Das eigentliche Problem ist nicht die Technologie
Die naheliegende Reaktion ist häufig technisch geprägt:
Neue Architektur, neue Plattform, vielleicht sogar ein kompletter Rewrite.
Doch diese Ansätze greifen zu kurz.
Ohne ein klares Verständnis der fachlichen Zusammenhänge wird bestehende Komplexität nicht reduziert – sie wird lediglich neu implementiert.
Das Ergebnis: Die gleichen Probleme, nur auf einer moderneren Technologie.
Der entscheidende Hebel liegt nicht in der Technologie.
Er liegt im Verständnis des Systems.
Domain-Driven Design als Grundlage
Domain-Driven Design (DDD) setzt genau hier an.
Nicht die technische Struktur steht im Mittelpunkt, sondern die fachliche Sicht auf das System.
Welche Domänen gibt es?
Wie hängen sie zusammen?
Welche Bereiche sind wirklich geschäftskritisch?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, entsteht eine belastbare Grundlage für Entscheidungen.
In einem aktuellen Workshop wurde genau dieser Schritt zum Wendepunkt.
Statt direkt über Zielarchitekturen zu sprechen, wurde zunächst gemeinsam das fachliche Modell erarbeitet.
Der entscheidende Unterschied:
Nicht nur die IT war beteiligt, sondern auch die Fachbereiche.
Der wichtigste Aha-Moment
Einer der größten Erkenntnisse war überraschend einfach:
Modernisierung ist kein reines IT-Thema.
Erst durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Perspektiven entstand ein gemeinsames Verständnis der Domänen.
Und genau dieses Verständnis wurde zur Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.
Ein weiterer wichtiger Punkt:
Aus der Organisation heraus ist es oft kaum möglich, diese Klarheit zu erreichen.
Zu viele bestehende Annahmen, zu viele Abhängigkeiten, zu viele implizite Entscheidungen.
Ein externer Blick hilft, Strukturen sichtbar zu machen und echte Priorisierung zu ermöglichen.
Warum das entscheidend ist
Ohne ein klares Domänenverständnis entstehen Entscheidungen im Blindflug.
Mit einem klaren Domänenmodell entsteht Orientierung.
- Welche Teile des Systems müssen modernisiert werden – und welche nicht?
- Wo lohnt sich eine Investition wirklich?
- Welche Abhängigkeiten bestimmen die Reihenfolge der Umsetzung?
Diese Fragen lassen sich nicht technisch beantworten.
Sie sind fachlich.
Ausblick
Domain-Driven Design ist kein Selbstzweck.
Es ist ein Werkzeug, um Komplexität zu verstehen und gezielt zu reduzieren.
In den nächsten Schritten geht es darum, aus diesem Verständnis konkrete Entscheidungen abzuleiten:
Migrationsstrategien, Transformation Waves und eine belastbare Roadmap.
Und genau hier wird es besonders spannend – vor allem im Zusammenspiel mit neuen Technologien wie LLMs.
Mehr dazu im nächsten Beitrag.